Sanierung des Alten Rathauses im Stadtteil Stetten

Die erst 2002 gegründete Bürgerstiftung Lörrach rettete durch die Übernahme und Sanierung das denkmalgeschützte Gebäude `Altes Rathaus Stetten´ für die Öffentlichkeit und sparte damit gleichzeitig der Stadt rund 256.000 Euro Sanierungskosten.
Mit dieser Initiative setzte die Bürgerstiftung ein Signal und bewies, wie auch in Zeiten knapper Kassen durch Zivilcourage engagierter Bürgerinnen und Bürger ein Haus für die Öffentlichkeit erhalten und darüber hinaus weiterer Raum zur Nutzung für die Bürgerschaft geschaffen werden konnte.

Am 16. Januar 2004 feierten die Lörracherinnen und Lörracher gemeinsam mit dem Schirmherrn, dem Freiburger Regierungspräsidenten Dr. Sven von Ungern-Sternberg, die Einweihung ihres `Alten Rathauses Stetten´, das nach nur neunmonatiger Bauzeit und umfangreicher Sanierung wieder in neuem Glanz erstrahlte.
In diesem historischen und denkmalgeschützten Haus verfügt der Welt-Laden über schönere und erweiterte Räume, im Dachgeschoss erhielten Vereine ein eigenes Domizil, eine weitere Etage ist an ein Ingenieurbüro vermietet, und auch die Bürgerstiftung Lörrach hat nun hier ihr Büro.
Gelungen ist diese gewaltige Kraftanstrengung Dank der Initiative der ein gutes Jahr zuvor gegründeten Bürgerstiftung Lörrach und ihrer damaligen Vorsitzenden Gisela Talke, der es glänzend gelang, unterschiedliche Kräfte aus der Bürgerschaft für ein gemeinsames Projekt zu vereinen.

`Es gehörte viel Mut dazu, Menschen für diese Idee zu gewinnen und dieses Projekt zu verwirklichen.´, lobte Hans-Werner Grotefendt, damaliger Erster Bürgermeister Lörrachs, dieses Großprojekt der Bürgerstiftung bereits beim Richtfest.

Das aus einer alten Zehntscheune von 1825 zu einem Rathaus für den damals noch eigenständigen Lörracher Stadtteil Stetten umgebaute Gebäude bedurfte dringend einer Sanierung. Zunächst erwog die Stadtverwaltung einen Verkauf des Gebäudes an einen privaten Investor.
Gleichzeitig sollte jedoch sichergestellt sein, dass der im Erdgeschoss befindliche Welt-Laden dort weiterhin zu den bisher von der Stadt gewährten günstigen Konditionen sein Domizil behalten würde. Deshalb erarbeitete die Stadtverwaltung in Absprache mit der `Aktion Dritte Welt´ ein neues Nutzungskonzept, das den Verbleib dieser gemeinnützigen Einrichtung in dem denkmalgeschützten Gebäude weiterhin sichern sollte. Für die Stadt hätte dies Sanierungskosten in Höhe von rund 410.000 Euro bedeutet.

Viel Mut und Pioniergeist legte im Jahr 2001 die in Gründung befindliche Bürgerstiftung Lörrach an den Tag, als sie sich bereit erklärte, dieses Gebäude von der Stadt unentgeltlich zu übernehmen und im Gegenzug für die Sanierung aufzukommen, sowie das Gebäude weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich zu erhalten. Diesem Vorschlag folgten Stadtverwaltung und Gemeinderat. Die Bürgerstiftung erhielt einen städtischen Kostenzuschuss in Höhe von 153.000 Euro für die Sanierung der Fassade. Der Großteil der Sanierungskosten mit rund 256.000 Euro musste jedoch durch die zu gründende Bürgerstiftung Lörrach aufgebracht werden.

Nach Erstellung eines entsprechenden Konzeptes, zur Sanierung und künftigen Nutzung sowie der Gründung der Bürgerstiftung im Juli 2002, nahm das Projekt rasch Gestalt an. Im Februar 2003 erfolgte der Startschuss für die Bauarbeiten. Der noch jungen Bürgerstiftung gelang es dabei auf beispielhafte Weise bürgerschaftliches Engagement zu mobilisieren: Es gingen nennenswerte Geldspenden aus der Bürgerschaft, von Firmen und Institutionen ein. Die Einwohner sowie Vereine aus dem Stadtteil Stetten engagierten sich besonders stark und legten kräftig beim Umbau mit Hand an. Dafür gründete sich eine „Interessengemeinschaft Stettemer Rathaus“, der der Dachboden des Alten Rathauses zur künftigen Nutzung zugesichert wurde. Der Ausbau erfolgte in erster Linie über Eigenleistungen im Wert von rund 26.000 Euro. Auch andere maßgeblich an Umbau und Sanierung Beteiligte, wie das landesweit renommierte Architekturbüro Professor Wilhelm und Partner kamen der Bürgerstiftung entgegen, Handwerksfirmen ließen einen Teil ihrer Rechnungskosten als Spende wieder an die Bürgerstiftung zurückfließen.

Aber auch die Bürgerstiftung ließ sich Einiges einfallen, um die Finanzierung weiter zu sichern. Beim Richtfest im Juni 2004 konnten die Lörracherinnen und Lörracher erstmals für fünf Euro und mehr pro Stück Bausteine für das Gebäude erwerben. Der Erlös aus dem Bausteinverkauf floss in die Sanierung des Gebäudes und trieb so den Bau weiter voran. Mit dem kürzlich im Kulturzentrum Burghof veranstalteten ersten Benefizabend zugunsten des Sanierungsprojektes traf die Bürgerstiftung ebenfalls den Nerv der Zeit und ihrer Mitbürger. Zahlreiche Lörracher folgten der Einladung zu dem unterhaltsamen Galaabend, der von der Bürgerschaft, sowohl kulinarisch als auch mit einem ansprechenden Programm selbst gestaltet wurde. Der Erlös aus diesem Abend kam ebenfalls der Sanierung des Alten Rathauses Stetten zugute. Aus der großen Resonanz des Galaabends soll auch eine neue Tradition erwachsen: Die Bürgerstiftung wird alljährlich einen festlichen Abend von Bürgern für Bürger organisieren und damit jeweils zum „Tag der Bürgerstiftung Lörrach“ ausrufen.

Bei soviel gebündeltem Engagement von Bürgerstiftung, Stadtverwaltung, Bürgern und Unternehmen ist es nicht verwunderlich, dass die Sanierung nun erheblich früher als geplant abgeschlossen und das Gebäude seiner Nutzung übergeben werden konnte.

Aus dem FB Medien der Stadt Lörrach.