Eine Idee wird geboren

Die große Kreisstadt Lörrach mit 47.000 Einwohnern im Jahre 1998 liegt im Dreiländereck Deutschland–Frankreich–Schweiz. Zur Gründung einer Stiftung aus einer Hand gab es kein namhaftes Kapital. Es gab aber den Willen, viele Bürgerinnen und Bürger von der `Idee Bürgerstiftung´ zu überzeugen und auf einem neuen Weg mitzunehmen.

Die Idee wurde in Lörrach im 1999 geboren. Das Datum war kein Zufall, hatte doch schon 1998 ein Symposion `150 Jahre Demokratie – nur noch konsumieren?´ Nachdenken ausgelöst. Das Symposium hatte an die Anfänge der Demokratiebewegung in der Revolution von 1848/49 erinnert. Gerade in Lörrach hatten die Ereignisse, nicht zuletzt durch die Grenzlage einen starken Wiederhall gefunden. Gustav Struve hatte hier am 21. September 1848 die Deutsche Republik ausgerufen.

1999 bestand das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, unsere Verfassung, 50 Jahre. Historisch lässt sie sich zurückführen auf die Verfassung von 1849, die allerdings wegen des Scheiterns der Revolution nie in Kraft treten konnte. Doch in Erinnerung daran fand in Berlin  im Jahr des Grundgesetzes die `Woche der Bürgergesellschaft´ statt. Zweimal Nachdenken über Demokratieentwicklung und der Blick in die Zukunft ließen die Idee einer Bürgerstiftung entstehen und wachsen.

Pioniere gehen ans Werk

Die Gründung der `Initiative Bürgerstiftung Lörrach´ erfolgte durch 17 Pioniere im Oktober 1999 als eingetragenem, steuerbegünstigtem Verein. Maßgeblich daran beteiligt waren vor allem Gisela Talke und Friedrich Vortisch. Einziges Ziel des Vereins war die Gründung der Bürgerstiftung Lörrach im Jahr 2002 als Beitrag zum Jubiläumsjahr – 900 Jahre Lörrach. Zentrale Aufgaben des Vereins waren

1. Öffentlichkeit herzustellen,
2. die Arbeitsweise der zukünftigen Bürgerstiftung vorzustellen und
3. Gründungsvermögen aufzubauen.

Es kam darauf an, nicht in Konkurrenz zu bestehenden Gruppen zu treten, sondern vorhandene Aktivitäten aufzunehmen und neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Mit ersten, kleineren Projekten wurden zukünftige Arbeitsbereiche exemplarisch vorgestellt. Es sollte auch gezeigt werden, dass sich mit wenig Geld Sinnvolles auf den Weg bringen lässt.

Das 1. Projekt `Schüler begleiten Senioren ins Internet´ startete im Jahr 2000. Es stand unter dem Leitgedanken `Generationen im Gespräch – Brücken bauen´. Gleichzeitig wurde Zukunftsarbeit an Schulen vorgestellt. Geld wurde nicht gebraucht. Zwei Schulen wurden als Partner gewonnen. Sie nahmen das Projekt in die thematische Arbeit ihrer Internet-AGs auf. Schüler und Lehrer im Verhältnis 1:1; die Nachfrage nahm kein Ende.
Streitschlichter-Schulung sollte Gewalt an Schulen begegnen. Als Sponsor war eine Krankenkasse im Rahmen ihrer präventiven Arbeit dabei. Für die `Werkstatt Bürgerengagement´ suchte die Initiative die Zusammenarbeit mit der Stadt Lörrach. Querdenker wurden aus allen Gruppen der Gesellschaft eingeladen.

Es wurde festgehalten, die Bürgerstiftung könne ein Dach bilden, unter das sich viele andere stellen sollten. Ein Vortrag `Eine Bürgerstiftung für Lörrach´ von Lothar Böhler, Direktor Stiftungsverwaltung Freiburg, im Jahre 2000  trug zur weiteren Unterstützung bei.

Die Gründung der Stiftung -
Ein Beitrag zum Jubiläumsjahr 900 Jahre Lörrach

Im Juli 2002 wurde die Bürgerstiftung Lörrach vom Regierungspräsidium Freiburg genehmigt. Mitgründer wurde der Museumsverein Lörrach, der sich mit einer namhaften Zustiftung unter das Dach der Bürgerstiftung stellte. Mit 100.000 DM Startkapital konnte so der Museumsfonds geschaffen werden.
900 Jahre zuvor, 1102, war Lörrach zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Auch wenn die Siedlungsgeschichte älter ist, so gelten die ersten urkundlichen Erwähnungen eines Ortes doch als Gründungsdatum. Insofern war die Gründung der Bürgerstiftung ein wesentlicher Beitrag zum Jubiläumsjahr. Erste Vorsitzende wurde Gisela Talke.

Die Bürgerstiftung Lörrach ist in Südbaden die erste Stiftung von Bürgern für Bürger. Ihr Gründungsvermögen wurde ausschließlich von Privatpersonen zusammengetragen. Der Schirmherr der Bürgerstiftung Lörrach, der damalige Regierungspräsident Dr. von Ungern-Sternberg, fand die folgenden Worte: "Je größer der Einfluss der politischen Gremien ist, desto weniger ist es eine Bürgerstiftung", und: "Die Bürgerstiftung Lörrach komme dem Ideal sehr nahe. Sie möge als Vermittlerin zwischen Kommune, Vereinen und Wohlfahrt dazu beitragen, dass sich Lebensqualität und menschliches Miteinander positiv entwickeln." 

Neben Privatpersonen gingen erste Spenden ein von:

  • Aktionsgemeinschaft Pro Lörrach
  • Mitarbeitern badenova – Milleniumsspende
  • Tennisabteilung Rot-Weiß Lörrach
  • Glasbläseraktion auf der Regio-Messe
  • Wirteverein Avantgarde.
  • Aktion Dritte Welt
  • Katholische Frauengemeinschaft St.Fridolin
  • Sinfonische Bläser `LURE´
  • Batigroup Dieter Trimpin

Das erste große Projekt –
Die Sanierung des Alten Rathauses in Stetten

Mit dem ersten großen Projekt, der Sanierung des denkmalgeschützten Alten Rathauses in Lörrach-Stetten, rettete die Bürgerstiftung mit dem Geld und Engagement von Bürgerinnen und Bürgern ein 200 Jahre altes vom Verfall bedrohtes Haus, zuletzt Wohnung für Obdachlose und öffentliche Toilette und auf nur 25 qm Unterschlupf für einen Welt-Laden. Das Haus ging als Schenkung mit Sanierungsverpflichtung in das Vermögen der Stiftung. Die Stadt Lörrach beteiligte sich mit einem Zuschuss. Die Einwohner sowie Vereine aus dem Stadtteil gründeten die `Interessengemeinschaft Stettemer Rathaus´ und legten kräftig beim Umbau mit Hand an.

Die aufwändige Sanierung erfolgte in denkbar kurzer Zeit. 2002 wurde der Bauantrag gestellt, schon im Januar 2004 konnte das Haus am historischen Kirchplatz in Stetten in alter Schönheit bezogen werden. So hat nun der ehrenamtlich betriebene Weltladen größere, helle und freundliche Räume. Vereine nutzen mietfrei das in eigener Arbeit hergestellte Dachgeschoss. Die Bürgerstiftung eröffnete ein kleines Büro.